Die Ernährung ist eines der zentralen Themen in unserem Leben. Wo unsere Großeltern das Kochen noch von Kindesbeinen an gelernt haben, wird in der heutigen Welt schon die Zubereitung einer Tiefkühlpizza oder von Ravioli aus der Dose als „kochen“ bezeichnet.
Es ist also kein Wunder, dass ca. 37 Millionen Erwachsene und 2 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland an Übergewicht oder Fettleibigkeit leiden. Die Kosten durch ernährungsbedingte Krankheiten beliefen sich im Jahr 2006 auf 30 Prozent aller Gesundheitskosten, das sind über 70 Milliarden Euro jährlich.
Doch es wäre falsch nur den Eltern die Schuld für die falsche Ernährung ihrer Kinder zu geben. Wir leben in einer hektischen Welt. Die Zeit für geselliges Beisammensitzen ist uns abhanden gekommen und die wenigen freien Minuten am Tag möchte man nicht in der Küche verbringen. Die Wirtschaft hat, wie jeder Ökonom es tun würde, vorbildlich auf diese Bedürfnisse reagiert und Fertigprodukte entwickelt, um den Bedarf zu decken. Dies jedoch verschlimmert das Problem nur noch. Denn je mehr diese verwendet werden, umso weniger lernen unsere Kinder das Kochen und den Spaß, der damit verbunden ist.
Viele Kinder kennen den natürlichen Geschmack der meisten Produckte nicht mehr und müssen ihn mühsam neu erlernen, denn Geschmacksverstärker wie Glutamat haben längst ihren Siegeszug in der deutschen Küche angetreten.
Hier möchte „Kinder Können Kochen“ ansetzen. Zusammen mit Fachleuten der verschiedensten Bereiche möchten wir Kindern und Jugendlichen ein ganzheitliches Konzept an die Hand geben, mit dem sie lernen sich bewusst und gesund zu ernähren.
In einem mehrtägigen Kochkurs möchten wir den Kindern die Grundbegriffe des Kochens nahebringen und ihre Lust und ihr Interesse wecken. Der Weg zu den Eltern führt über ihre Kinder, mit deren Hilfe wir die Wende schaffen können!
Das Programm "Kinder Können Kochen" soll sich in verschiedene Bereiche gliedern. Diese sollen es den Kindern und Jugendlichen ermöglichen sich mit allen Aspekten des Kochens vertraut zu machen und einen Blick über den Tellerrand zu wagen. Die Bereiche sind in Aufklärung, Lernen, Kontrolle, Aussprache und Weiterbildung gegliedert.
Möglichst zu Beginn jeder Stunde soll eine Fachkraft aus einem Bereich der mit Ernährung zusammenhängt einen ca. 15-20 minütigen Vortrag zu einem Thema rund um Ernährung halten. Eine Möglichkeit könnten Ernährungsexperten sein, die einen Vortrag zum Thema Fettauf- und -abbau im Körper halten oder Ärzte, die über das Entstehen von Diabetes berichten. Im Anschluss daran sind Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen geplant.
Dieser Teil des Kurses soll den Teilnehmern die gesundheitlichen Folgen falscher Ernährung aufzeigen und ihnen erfahrene Diskussionspartner bieten, die Ihre Fragen beantworten können.
Dieser Teil des Kurses ist in einen kurzen sachtheoretischen Teil und einen großen praktischen Teil gegliedert.
Im sachtheoretischen Teil sollen die Kinder und Jugendlichen die Grundsätze des Kochens lernen. Hier werden zum Beispiel Techniken zum richtigen Schneiden oder Rezepte für die am jeweiligen Tag zu kochenden Gerichte gelehrt.
Am Anfang jedes Kurses bekommt jeder Teilnehmer ein kleines leeres Buch in welches er die von ihm gekochten Rezepte nach der Veranstaltung eintragen oder einkleben kann. Dadurch soll mit der Zeit ein ganz persönliches Kochbuch entstehen in dem nur Gerichte stehen, welche die Kinder wirklich können und mögen.
Im praktischen Teil kommen wir dann zum eigentlichen Kochen. Hier werden mit den Kindern und Jugendlichen zusammen die vorher besprochenen Rezepte in Kleingruppen gekocht. Denkbar ist zum Beispiel jeweils ein Hauptgericht und eine Vor- oder Nachspeise zuzubereiten.
Wichtig ist, dass es sich hierbei um ökologisch einwandfreie Rohstoffe ohne Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe handelt. Wir wollen ohne Convenience-Produkte auskommen, um zu zeigen, dass natürliches Essen immer noch das Schmackhafteste ist. Produkte aus ökologischem Anbau sind vorzuziehen.
Dabei darf jedoch die preisliche Komponente nicht außer Acht gelassen werden. Es bringt den Kindern und Jugendlichen nur etwas, wenn sie die Rezepte zuhause auch ohne große Abstriche nachkochen können.
Während des Kochens werden die „Hobby-Köche“ nur noch vom Kursleiter angeleitet. Er dient hier als Ideengeber. Es ist wichtig den Teilnehmern ein Gefühl der Selbständigkeit zu geben; ihnen zu zeigen was sie können. Nur an das was sie selbst erlebt haben, werden sie sich erinnern; das werden sie gerne wieder kochen. Der Kursleiter ist hier nicht mehr in der Rolle eines Lehrers aktiv!
Die Kontrolle des Gekochten erfolgt zum einen in Form des Verköstigens. Hier sitzen alle Kursteilnehmer gemütlich beisammen und genießen die Früchte ihrer Arbeit. Dieser Teil ist besonders wichtig. Denn hier sehen die "Hobby-Köche" den Erfolg ihrer Arbeit. Der Schüchterne erweist sich hier vielleicht als großer Koch und ehemals Gemiedene werden für ihre Hilfsbereitschaft gelobt.
In diesem Teil werden Fragen gestellt, Erfahrungen ausgetauscht und Wünsche geäußert. Für Kursteilnehmer und Kursleiter ist die Aussprache gleichermaßen wichtig. Denn nur wenn sich alle am Ende noch einmal die Zeit nehmen miteinander zu sprechen, kann sich das Projekt entwickeln.
Hierfür wird die Homepage von „Kinder Können Kochen“ dienen. Auf ihr soll es ein Forum geben, in dem die Teilnehmer untereinander und mit Freunden diskutieren können. Desweiteren werden in regelmäßigen Abständen Rezepte online gestellt, die nachgekocht werden können. Über eine E-Mail-Adresse können Fragen direkt an den Kursleiter gerichtet werden, wenn diese vorher nicht im Forum beantwortet werden konnten.
Dies soll dabei helfen, dass das Gelernte nicht eine einmalige Sache ist, sondern ständig weiterentwickelt wird. Die Kursteilnehmer sollen in Kontakt bleiben, sich austauschen und gegenseitig anspornen. Interessierte sollen sich in die Diskussionen einklinken können und sie so bereichern.
Zum Abschluss des Projektes soll jeder Teilnehmer eine Schürze mit dem Namen des Projektes "Kinder Können Kochen" sowie eine persönliche Urkunde für die erfolgreiche Teilnahme erhalten.